
Herr von Gunten, Sie sind seit dem 1. August 2008 Geschäftsleiter der Controller Akademie, die der veb.ch und der KV Zürich 2000 gegründet haben. Wie sind sie dazu gekommen?
Ich bin berufen worden. Vor etwa drei Jahren habe ich mit einem unserer Verwaltungsräte über eine ganz andere Sache gesprochen, am Rande die Controller Akademie erwähnt und gemeint, deren Leitung sei eine interessante Aufgabe. Zwei Jahre später hat mir der Verwaltungsrat die Stelle im Anschluss an die Pensionierung des bisherigen Geschäftsleiters angeboten.
Und was hat Sie bewogen, die Stelle anzunehmen?
Es fordert mich heraus und macht mir zudem Spass, eine Akademie mit weit gefasster Verantwortung operativ zu leiten und gleichzeitig im Unterricht mitzuwirken, also ganz vorne zu stehen. Dann freue ich mich auch auf die Gestaltungsmöglichkeiten, die man in einer kleinen und von der öffentlichen Hand unabhängigen Institution hat. Zudem kann ich viel Erfahrung einbringen, weil ich seinerzeit die Hotelfachschule in Thun aufgebaut habe.
Was haben Sie an der Hohlstrasse in Altstetten angetroffen?
Das, was ich erwartet habe: Eine etablierte und gut akzeptierte Bildungsorganisation mit fähigen Dozentinnen und Dozenten, einen einigen und kompetenten Verwaltungsrat, zwei motivierte und einsatzfreudige Frauen, die mich unterstützen: meine Assistentin, Gabriele Baumann, und unsere Sekretärin, Isabel Gomez.
Und was haben Sie mit der Controller Akademie vor – was wird neu?
Zeitlichen Vorrang hat die Qualitätssicherung unserer beiden Standbeine, des Studiengangs für angehende diplomierte Expertinnen und Experten in Rechnungslegung und Controlling und des Studiengangs «Diploma as IFRS-Accountant». Von grosser Bedeutung ist der Weiterausbau unserer Angebote mit neuen Seminaren und allenfalls zusätzlichen Studiengängen, mit Fortsetzungen bisheriger Angebote und mit ganz Neuem. Für 2009 ist jedenfalls etliches in Planung. Zudem wird auch in unserer internen Organisation einiges modernisiert, auf dass sie ihre Effizienz und Effektivität behalte.
Sie haben neben ihrem Engagement in der Controller Akademie noch andere Positionen inne. Welche?
Vor allem bin ich Mitglied der Prüfungskommission für höhere Prüfungen in Rechnungswesen und Controlling. Daneben engagierte ich mich früher als Finanzchef in diversen Non-Profit-Organisationen, namentlich in einem Fussballclub und in einem Verein des Gesundheitswesens.
Sie sind auch Fachbuchautor. Was hat Sie bewogen, Bücher zu schreiben?
Man sagt, ich hätte die Gabe, komplizierte Sachverhalte einfach zu erklären. Das habe ich vor geraumer Zeit testen wollen, und mittlerweile freut es mich, für Bereiche, in denen es noch nichts Modernes gibt, Lehrmittel zu verfassen. Dass meine Werke gut ankommen, ist eine Zusatzfreude.
Welche Werke sind das?
Ich habe je ein Buch über Konzernrechnung und Konsolidierung wie auch über Basic Accounting verfasst.
Liegt der Lehrer- oder Dozentenberuf bei Ihnen in der Familie?
Das kann man sagen: Meine Eltern waren beide Lehrer, wenn auch in anderen Fachgebieten.
Wie sind Sie selbst zum Lehrerberuf gekommen?
Nach meinem Wirtschaftsstudium an der Universität Bern begann ich an diversen Berufsschulen zu lehren: Ich habe Verkäuferinnen, Köche, Automechaniker, Hauswirtschaftsangestellte und kaufmännische Angestellte unterrichtet. Dazwischen habe ich Praktika in der Wirtschaft gemacht und mich berufsbegleitend zum Handelslehrer ausbilden lassen.
Die Controller-Ausbildung ist einem ständigen Wandel unterworfen. Was sollte Ihres Erachtens bei Ausbildung und Prüfung in Zukunft anders gewichtet werden?
Bei notwendigen Änderungen geht es nicht um Gravierendes. Das hiesse nämlich, dass wir die Entwicklung über eine lange Zeit verpasst hätten. Wir achten darauf, dass wir den Lehr- und Prüfungsstoff laufend der Praxis anpassen. Letztes Jahr konnte ich mit Prof. Dieter Pfaff in einer Expertengruppe mitarbeiten, welche die Controller-Ausbildung modernisiert: Dabei wurden insbesondere das Fach Controlling aktualisiert, das Fach internationale Rechnungslegung ausgebaut und einiges an mittlerweile Überflüssigem weggelassen.
Warum bieten Sie neuerdings einen 3-Semester-Studiengang an?
Es gibt immer mehr Personen, denen fünf Semester zu viel sind; sie wollen die Ausbildung verkürzen und nehmen dafür eine Reduktion ihres Arbeitspensums auf 60 bis 80 % in Kauf.
Sehen Sie eine Gefahr für die Ausbildung und das Diplom von anderen Ausbildungswegen her kommen?
Die grösste Gefahr kommt von den Fachhochschulen. Alle wollen einen «geilen Titel». Das ist verständlich, aber oft sind diese Titel bei den Arbeitgebern unbekannt. Bei unserem Diplom hingegen weiss der Arbeitgeber, was er bekommt. Das betonen wir in einer Kampagne für unseren Ausbildungsweg zusammen mit dem veb.ch.
Welches sind die Stärken des Ausbildungsweges?
Dass unsere Absolventen das eigentliche Handwerk verstehen. Sie können nicht einfach gescheit mitreden und analysieren, sie können einem einfachen Mitarbeiter im Unternehmen auch erklären, wie ein Buchungssatz lautet und selber auch komplizierte Buchungen vornehmen.
Wem raten Sie, den Weg zum dipl. Experten zu gehen?
Sicher mal allen Fachleuten im Finanz- und Rechnungswesen. Das ist die logische Fortsetzung ihres Bildungsganges. Dann Fachhochschul- und Universitätsabsolventen, die sich im Rechnungswesen und Controlling spezialisieren wollen, sowie allen Absolventen der Höheren Fachschule für Wirtschaft, der ehemaligen HKG, die statt Generalist Spezialist sein wollen. Denn unsere Expertenausbildung ist die höchste Ausbildung in Rechnungswesen und Controlling in der Schweiz.
Sie haben eine Kooperation mit den meisten Anbietern der Controller-Ausbildung ins Leben gerufen: Was beinhaltet diese Kooperation?
Wir haben die gleiche Lektionentafel, die gleiche interne Zertifikatsprüfung und eine enge Zusammenarbeit aller Dozierenden. Damit sind wir zum Marktführer in der Deutschschweiz geworden.
Sie bieten eine spezifische Weiterbildungan, die natürlich viele Fächer nicht beinhaltet. In welchen Fächern sollten sich Absolventen neben dem Angebot der Controller Akademie weiterbilden, um Erfolg zu haben?
Wer später ein Team führen muss, sollte sich in Führungspsychologie und Leadership weiterbilden.
Stellen Sie fachliche Defizite bei den neuen Studenten fest?
Eigentlich nicht. Wir haben das Ziel, im ersten Semester alle Teilnehmer mit den verschiedenen Vorbildungen auf den gleichen Stand zu bringen. Das gelingt uns.
Sie bieten fachliche Weiterbildung an. Was tut ein Schulleiter, um fachlich à jour zu bleiben?
Ich verschlinge zahlreiche Fachzeitschriften und Fachliteratur: einerseits über die Materie, die die Controller Akademie vermittelt, andererseits – für meine Weiterbildung als Schulleiter – über moderne didaktische und pädagogische Konzepte.
Wie wählen Sie Dozenten aus?
Die Controller Akademie verfügt über ein grosses Beziehungsnetz. Mögliche Dozierende fragen wir direkt an. Bei Interesse auf Seiten der Dozierenden hole ich Referenzen ein, dann führen wir ein Bewerbungsgespräch, und anschliessend gibt es meist noch eine Probelektion. Unsere Dozenten müssen in drei Bereichen stark sein: zum einen theoretisch und wissenschaftlich, zum anderen inder Praxis und natürlich auch pädagogisch didaktisch als Vermittler des Stoffes.
Einer der Eigentümer der Controller Akademie ist der veb.ch, dem Sie besonders verbunden sind. Was ist das Besondere am veb.ch – weshalb braucht es ihn?
Das Besondere am veb.ch ist, dass er so viele Absolventinnen und Absolventen unserer Ausbildungsgänge umfasst. Diese wollen sich auch immer weiterbilden, und da bietet der veb.ch gute Möglichkeiten mit zukunftsweisenden Themen. Mir gefällt auch, dass der veb.ch nicht ein weiterer verstaubter Verband ist, sondern aktive Mitglieder in den Regionalgruppen Verantwortung übernehmen.
Was tun Sie in der Freizeit?
Ich achte darauf, dass in meiner Freizeit Geist und Körper gleichermassen zum Einsatz gelangen. So lerne ich liebend gerne Fremdsprachen. Zurzeit bin ich am Russischen, weil ich immer wieder im Sprachgebiet bin. Das ist nicht zuletzt wegen der anderen Schrift keine ganz einfache Sache.
Können Sie sich schon russisch unterhalten?
Jetzt, am Ende des dritten Semesters, kann ich eine einfache Unterhaltung führen – wenn mein Gegenüber aufmerksam zuhört und etwas Geduld hat.
Zum vorher körperlichen Teil...
Ich bin aktiver und passiver Sportler. Skifahren, ein Fitnessprogramm, Aquafit, Wandern und Nordic Walking machen den aktiven Teil aus. Als Passivsportler besuche ich die Fussballspiele von YB und des Zweitligisten FC Breitenrain Bern sowie die Eishockeyspiele des SCB. Daneben koche ich auch sehr gerne und geniesse mit meiner Frau ein gutes Essen mit einem passenden Wein.
Ein Wort zu Ihrer Familie?
Aus meiner ersten Ehe habe ich zwei Söhne, die bei mir wohnen. Der eine studiert Wirtschaft und Recht, der andere hat die kaufmännische Lehre absolviert und führt jetzt die Buchhaltung eines KMU. Heute bin ich in zweiter Ehe mit einer Ukrainerin verheiratet, die auch zwei Söhne hat. Immer wieder sind wir in der Ukraine. Dort erlebt man mit, wie hart das Leben und der tägliche Kampf um die grundlegendsten Existenzbedürfnisse sind. Der Unterschied zur Schweiz ist gewaltig. Meine Frau sagt immer, bei uns in der Schweiz hätten wir das Paradies, obwohl ja das auch nicht ganz stimmt.
Quelle: veb.ch